Dies ist die Geschichte eines russischen Mädchens, die die Hungersnot überlebte, sich an die sowjetischen Kolchosen [landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft in der Sowjetunion – A. d. Ü.] erinnert und alles überwinden konnte, indem sie in der Ukraine ihre Rettung fand. Es geht um meine Oma, die Russin ist. Ihre Kindheit – sie wurde 1943 geboren – verbrachte sie im sowjetischen Russland. Neben diesem Interview sind ihre schmerzvollsten Erinnerungen die von der Hungersnot und wie es ihre Familie traf. Sie lebten in einer kleinen Hütte (als ich klein war, habe ich diese Hütte gesehen). Meine Oma lebte mit ihren Eltern, ihrer Oma, ihrer Tante und ihrem Bruder zusammen. Sie erinnert sich noch an den Wasserbauch ihrer Mutter während der Hungersnot und wie ihr Bruder Tolja damals fast gestorben wäre, und wie ihr Vater (Lehrer, Kolchose-Vorsitzender) an der Front verwundet wurde. Oma erzählte auch, wie sie und ihr Bruder die Hausaufgaben machten: Sie hatten nur einen kleinen Tisch und als Beleuchtung diente ihnen nur eine einzige Kerze, die sie abwechselnd benutzten. Trotz der elenden Verhältnisse versuchte sie das zu machen, was sie geistig bereicherte und inspirierte: Im Geheimen von ihrem Vater stickte sie Bilder, bei Dunkelheit saß sie auf dem Ofen [gemeint wird ein traditioneller gemauerter oder aus Lehm gebauter ukrainischer Ofen, der zum Heizen, zum Kochen und zum Darauf-schlafen geeignet ist – A. d. Ü.] und stickte. Heute sind wir sehr stolz auf diese Bilder. Oma hatte kein einfaches Leben. Hört euch das Interview an, von aufrichtigen Gefühlen geprägt und die Erinnerungen aus meiner Familie schildernd.
Tag Archiv: Hungersnot
Sinaida Laskowa wurde am 21. August 1926 im Dorf Hnylosubiwka in einer großen Familie geboren. Sie überlebte die ukrainische Hungersnot bzw. den Völkermord Holodomor von 1932-1933. Meine Urgroßmutter war Zeitzeugin des Zweiten Weltkrieges. Mit 16 wurde sie als Zwangsarbeiterin nach Deutschland transportiert. Dort arbeitete sie zuerst in einer Fabrik und dann in der lokalen Kneipe, wo die Bevölkerung gern Bier trank. Nach dem Krieg kehrte meine Urgroßmutter zurück, zusammen mit vielen KZ-Häftlingen, die schrecklich aussahen. Sie heiratete und bekam drei Kinder. Bis ans Ende ihrer Tage wurde Sinaida Laskowa von vielen Menschen als eine sehr vornehme, ehrliche und gutherzige Frau beschrieben.
Mein Großvater hat die Belagerung von Leningrad überlebt. Nach dem Krieg studierte er Archäologie an der historischen Fakultät.
Der Krieg begann, als Nadija noch ein Baby war. Aber die schlimmsten Erinnerungen sind mit der Nachkriegszeit und Hungersnot (1946-1947) verbunden.
Pavlo Levytskyi tells about shooting of Jewish people in his village, his childhood during the World War 2 and his life in the orphanage.