Familiengeschichten
Krystyna Środa
Interview aufgezeichnet: von Mętków, Poland 25.09.2015

Krystyna Środa

Krystyna Środa ist im Jahre 1940 geboren. Sie lebt von Kind auf in Mętków [Dorf in Kleinpolen, an der Weichsel]. Sie hat den Krieg als Kind miterlebt. Nach dem Krieg ging sie zur Schule. 1958 heiratete sie Tadeusz Środa. 1959 begann sie, als Schuhmacherin in Chełmek zu arbeiten. Zugleich bewirtschaftete sie ihren Bauernhof und macht das bis heute. Der Großteil der Geschichten meiner Oma wurde ihr von meiner Uroma erzählt, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat.

Woran erinnerst Du Dich aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs?

Ich war damals ein Kind, ich kann mich nicht an allzu viel erinnern… Ich erinnere mich an Flugzeuge, Schüsse und Lärm. Überall herrschte Armut. Wir hatten einen Bauernhof, also aßen wir das, was wir zu Hause hatten: Nudeln, Milch, Eier, Kartoffeln und anderes Gemüse, Brot, manchmal Fleisch.

Wie verhielten sich die Deutschen und die Russen Euch gegenüber?

Unweit von unserem Haus waren Deutsche stationiert und sie kamen manchmal zu uns. Sie waren eher freundlich, manchmal holten sie sich Lebensmittel bei uns, sie unterhielten sich mit meinem Vater, ich sprach kein Deutsch. Ich weiß noch, dass einmal einer der Deutschen mir und meinen Brüdern Bonbons mitgebracht hat. Ich habe sie sehr lange aufbewahrt, denn in der Kriegszeit gab es keine Süßigkeiten.

Wie sah das Leben damals aus?

Meine Eltern haben mir nicht erlaubt, das Haus zu verlassen, ich durfte nur selten raus. Abends gingen auch sie nicht mehr aus dem Haus. Jeder hatte Angst. Zum Glück war unser Dorf eher klein und zwischen Wäldern gelegen, daher war es hier eher ruhig. Manchmal kam es zu kleineren Kämpfen zwischen den Deutschen und den Russen. An der Weichsel standen auch Flugabwehrkanonen.

Wie gingen die Menschen miteinander um?

Die Menschen waren sehr hilfsbereit und freundlich zueinander, alle hielten zusammen.

Wie würdest Du Deine Geschichte zusammenfassen?

Ich möchte so etwas nicht wieder erleben. Es gab gute und schlechte Momente, aber Krieg ist niemals gut. Ich hoffe, der Zweite Weltkrieg war der letzte Krieg.

 

Die Interviews werden in den Originalsprachen oder Transkriptionen davon wiedergegeben, unter Berücksichtigung von nationalen, regionalen und individuellen Sprachmerkmalen.

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