
Volodymyr Voitiuk
Im Interview geht es um die Geschichte des Großvaters Nagornyuk Ivan Ivanovytsch (geb. 1922.07.01), der am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hat und zur Zwangsarbeit nach Wien verfrachtet wurde.Nagornyuk Ivan wurde am 7. Januar 1922 im Dorf Peremoha (dann Vuyna) Kosjatyn Region Winnyzja Region geboren. Am Anfang des Krieges arbeitete er in einer Kolchose. Er wurde zusammen mit anderen ausgesuchten Mitarbeitern der Kolchose zur Ausstellung der Volkswirtschaft in Moskau (die Hauptstadt der UdSSR) entsendet.
Als er nach dieser Ausstellung zurückkehrte, wollte er ein Treffen organisieren, um den Menschen mitzuteilen, was er gesehen hatte. [damals war es wesentlich].
Und gerade in dieser Woche begann der Krieg …
Als Arbeiter waren sie verpflichtet das Vieh zu evakuieren. Und sie fingen an, die Tiere in weitere Regionen der Sowjetunion zu verfrachten. Aber (zu Fuß) [wie der Großvater gesagt hatte], kamen sie nur zum Fluß Dnipro.
Vielleicht, wenn sie nicht zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, würde der Großvater mobilisiert. Damals war er nur 19 Jahre alt.
Aber die Großmutter (Großvaters Frau) sagte, dass die Ereignisse sich sehr schnell entwickelten und die Soldaten der deutschen Armee waren bald im Dorf.
Auf dem Weg, vereinigten sie sich mit den gleichen Gruppen und versuchten so viel Vieh vor den Angriffen der deutschen Wehrmacht zu retten. Denn diese beschlagnahmte das Vieh oder nahm sie unter Beschuss. Ihr Vorhaben hatte die Luftwaffe bereits bemerkt und gemeldet. Diese nahm die Bauern und das Vieh meist unter Feuer und erschoss die Menschen. Dadurch ergaben sich für die Leute herbe Verluste, sodass sie umkehren mussten.
Unser Dorf wurde damals vom Feind besetzt. Weiterhin wurde verkündet, dass die Menschen zur Zwangsarbeit herangezogen werden, aber wohin genau, das wurde nicht gesagt. Die Menschen wurden in sogenannten Listen erfasst.
Unser Großvater wollte nicht ausziehen.
Großvaters Cousin aus dem Dorf wurde gezwungen, bei der deutschen Hilfspolizei zu dienen. An Strafaktionen nahm er nicht teil, aber er arbeitete als Wächter. Später wurde er dafür bestraft. Die sowjetische Regierung bezeichnete ihn als Verräter. Es war aber nicht immer so.
Als der Großvater verhaftet wurde, um zur Zwangsarbeit herangezogen zu werden, wurde er von seinem Cousin, der bei den Deutschen diente, entlassen. Dann wurde er ernsthaft dafür bestraft. Die Deutschen bestraften ihn und fast erschossen.
Unser Großvater kehrte ins Dorf zurück und versteckte sich, um nicht wieder zur Zwangsarbeit geschickt zu werden. Dies misslang. Die jungen Männer wurden mit dem Zug verschickt. Schon in Polen gelang es ihnen, aus dem Zug zu entkommen. Daraufhin erüffneten die Wachen das Feuer und erschossen einige. Drei konnten jedoch fliehen. Der Großvater versteckte sich in der Nähe des Dorfes. Die Deutschen erfuhren das und nahmen seine Mutter in Sippenhaft. Diese bestand daraus, dass die seine Mutter ohne Essen im Keller festgehalten wurde. Erst wenn der Sohn zurückkam wurde sie entlassen.
Der Großvater wurde in das Arbeitslager für Arbeiter in Wien (Österreich) gebracht. Die Bedingungen waren schrecklich. Sie wurden in den Baracken (Feldhütten) gehalten. Mein Großvater arbeitete in einer Fabrik für Stahlbetonkonstruktionen.
Als die Frontlinie sich dieser Stadt näherte, begann die sowjetische Luftwaffe diese Lager zu bombadieren. Das militärfaschistische Deutschland konnte das Lager nicht weiterführen. Deshalb wurden die Arbeiter in den Dörfern umverteilt, um mit den Bauern zu arbeiten.
Mein Großvater arbeitete in der Landwirtschaft. Das Verhalten war normal: Man gab ihm Kleidung und Nahrung. Man fühlte sich nicht gedemütigt. Es waren ganz normale Menschen, Zivilisten, keine Militärspersonen. Er erledigte die verschiedenesten Arbeiten und deswegen lernte er viel über die Landwirtschaft. In Österreich wurde die Landwirtschaft sehr rational geführt. Der Besitzer fragte meinen Großvater, woher er komme. Er sagte, dass er über Winnyzja Region wusste, da er darüber in der Zeitung „Winnyzja Massaker“ [Opfer des stalinistischen Terrors] las. Danach kamen Truppen der sowjetischen Armee an. Sie nahmen die Stadt ein und mein Großvater wurde für die Rote Armee mobilisiert. Es war ein schwerer Angriff, deswegen klammerte die besondere Abteilung der UdSSR darüber nicht, dass sie im Ausland waren, weil man die Menschen für den Krieg brauchte. Er wurde in die Infanterie- Division, eingetragen. Er fungierte dort als Mörser- Soldat und bediente diese Geräte. Die Bezeichnung hierfür lautete “Kanonier”. Bis zum Ende des Krieges diente er in den Reihen der sowjetischen Armee und nahm an den veschiedensten Militäroperationen teil.
Die Interviews werden in den Originalsprachen oder Transkriptionen davon wiedergegeben, unter Berücksichtigung von nationalen, regionalen und individuellen Sprachmerkmalen.