Familiengeschichten
Rozalia Graboń
Interview aufgezeichnet: von Trzebinia, Polen 02.10.2015

Rozalia Graboń

Mein Großvater Józef Graboń ist am 17. Juli 1913 geboren, meine Großmutter Rozalia am 8. Februar 1916. Sie lebten in ihrem eigenen Haus in Libiąż [Nachbarort von Auschwitz] und ernteten eigenes Gemüse. Wenn sie Geld hatten, kauften sie andere Lebensmittel oder tauschten sie gegen Kartoffeln ein. Meine Großmutter half meinem Großvater bei seiner Arbeit, unter anderem bei der Herstellung von Särgen. Manchmal kamen deutsche Kunden und holten die Särge ab. Einige von ihnen waren freundlich und haben meiner Familie geholfen.

Mein Name ist Agnieszka Gomółka. Mein Großvater Józef Graboń ist am 17. Juli 1913 geboren, meine Großmutter Rozalia am 8. Februar 1916.

Meine Großeltern haben mir vom Krieg und von ihren Erlebnissen aus dieser Zeit erzählt. Ich weiß noch, wie sie mir in meiner Kindheit die Geschichten erzählt haben. Ich war damals ein kleines Kind, deshalb haben mir später hauptsächlich meine Eltern diese Geschichten wiederholt. Ich erinnere mich aber an die Geschichte einer schweren und traumatischen Situation, als meine Großmutter bei einer Razzia von den Deutschen aufgegriffen wurde. Sie war bereits auf dem Weg nach Auschwitz, aber dank meinem Großvater, der Schreiner war, konnte ihr Leben gerettet werden. Opa führte viele verschiedene Holzarbeiten aus, unter anderem stellte er Särge für deutsche Kunden her. Wie bereits erwähnt, ich war ein kleines Kind, als mir davon berichtet wurde, ich kann mich also nicht mehr an Details erinnern, aber ich weiß, dass meine Oma aus dem Transport gerettet werden konnte. Die Deutschen haben sie in einem Sarg versteckt und so schaffte sie es wieder nach Hause, nach Libiąż.

Mein Großvater wurde immer sehr emotional, wenn er diese Geschichte erzählte. Er sagte immer, dass es auch Deutsche gegeben hatte, die anderen Menschen das Leben retteten, und dass auch meine Oma dank ihnen überleben konnte. Opa war ein herzensguter Mensch, er hatte viel innere Kraft und glaubte fest daran, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Deshalb fiel es ihm sehr schwer, zu verstehen, wie Menschen so etwas tun konnten, wie sie anderen so viel Leid zufügen und solche Grausamkeiten begehen konnten. Meine Großeltern haben überlebt und ich denke, es ist ein Beweis dafür, dass es den lieben Gott gibt. Die Menschen hatten damals nichts, woran sie glauben konnten, sie hatten nichts zu essen und niemanden, der ihnen helfen konnte, also glaubten sie sehr fest an Gott und seine Hilfe.

Was hast Du empfunden, als Du diese Geschichte zum ersten Mal gehört hast?

Wie bereits erwähnt, ich war damals ein kleines Kind, ich konnte den Sinn der Geschichte also nicht ganz erfassen. Erst als ich älter wurde und anfing, mehr über diese Zeiten nachzulesen, und als Opa die Geschichten bei Familientreffen immer wieder aufgriff, fiel es mir schwer zu glauben, dass all das vor so kurzer Zeit passiert war. Dass es Menschen gegeben hat, die solche Verbrechen begangen haben, dass Kinder leiden mussten. Ich habe verstanden, dass diese Ereignisse, diese Geschichten, die ich aus den Büchern kannte, wirklich passiert waren, dass Menschen so grausam sein konnten.

Ich war verbittert und traurig, dass Menschen solche Verbrechen begangen haben. Ich glaube, am schwierigsten fällt es mir zu verstehen, warum man das den Kindern angetan hat, die noch so wenig von der Welt gesehen hatten und doch all das ertragen, leiden und den Tod ihrer Liebsten mit ansehen mussten. Das musste für sie ein schreckliches Leid gewesen sein. Ich konnte es lange nicht verstehen, aber mit der Zeit reift der Mensch heran und kommt mit gewissen Sachen klar. Trotzdem war ich auf jeden Fall traurig und verbittert, dass so etwas passiert war und ich hoffe, dass es sich nie wiederholen wird.

 

Die Interviews werden in den Originalsprachen oder Transkriptionen davon wiedergegeben, unter Berücksichtigung von nationalen, regionalen und individuellen Sprachmerkmalen.

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